Zwei Küsse für Ethan

(Verliebt in Cliffdale #1)

Leseprobe

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   »Wann sind wir endlich da?«, quengelt meine Tochter Billie auf dem Rücksitz und ich seufze, weil es schon das tausendste Mal in der letzten halben Stunde ist. »Mein Popo tut weh und ich habe Hunger.« 

Seufzend umklammere ich das Lenkrad etwas fester. »Gleich, mein Liebling. Es ist nicht mehr weit, versprochen.« 

   »Aber Mommy, ich muss ganz dringend pinkeln.« 

Meine Augen weiten sich und ich schaue rasch in den Seitenspiegel, bevor ich den Blinker setze und an den Straßenrand fahre. Hastig schnalle ich mich ab, hechte aus dem Wagen, laufe um ihn herum und reiße die rechte hintere Tür meines alten, verbeulten Toyotas auf. Mit schnellen Handgriffen löse ich Billies Gurt, befreie sie aus dem Kindersitz, schnappe sie mir und trage sie ein Stück in die Wiese neben der Fahrbahn. 
   »Gleich, nur noch eine Sekunde«, murmele ich dabei vor mich hin, weil ich weiß, wie knapp die Zeit ist, bis sie es nicht mehr zurückhalten kann. Billie ist dreieinhalb und wir haben erst vor einigen Wochen damit begonnen, die Windel auch tagsüber wegzulassen. Deshalb bin ich heute schon siebenmal in vier Stunden – ja, ihr habt richtig gehört, siebenmal aus dem Auto gesprungen. Für die Suche nach einem passenden Platz ist in dieser Situation keine Zeit. Jede Sekunde – ach, was rede ich, jede Millisekunde zählt! 

Vorsichtig setze ich Billie ab, hocke mich vor sie und ziehe ihr Kleid hoch, um auch ihre Unterhose nach unten zu ziehen. Genau in diesem Moment wimmert meine Tochter kurz und eine warme Flüssigkeit tropft auf meine Hand – und die Unterhose. 

Resigniert warte ich, bis sie fertig ist, schüttele meine nasse Hand ab und stehe auf.           
   »Das ist kein Problem, mein Liebling. Sowas passiert eben.« Mein Blick fällt auf das Auto, worin sich die nun benötigten Feuchttücher befinden. »Warte ganz kurz, ja? Ich hole nur schnell die Tücher.« 

Billie sieht mich aus riesigen, blauen Augen an, die sie nicht von mir, sondern von meinem Bruder Cameron geerbt hat. Total unfair, wenn ihr mich fragt. Da macht man sich die Mühe, eine kleine Tochter auszutragen und dann sieht sie weder dem Vater noch der Mutter, sondern dem Onkel ähnlich. Ein Glück, dass ich meinen Bruder sehr liebe. 

   »Mommy«, jammert sie, als ich mich zwei Schritte entfernt habe. »Ich muss kaka.« 

Mit dem Rücken zu ihr bleibe ich stehen und atme tief durch. »Okay, keine Panik, Süße. Ich hole nur die Tücher, dann kanns losgehen.« 

   »Aber Mommy, ich muss doch jetzt!« 

Schnell drehe ich mich um, haste nach vorne, verhelfe ihr in eine Position, in der sie das tun kann, was sie tun muss, und warte mit zusammengekniffenen Lippen. Der Schweiß läuft mir über die Stirn, mein Shirt klebt an meinem Körper und ich fühle mich, als säßen unzählige Mücken auf mir. Vermutlich ist es auch so. Wir hocken schließlich irgendwo im Nirgendwo, einige Meilen entfernt von Cliffdale, unserem neuen Zuhause, auf einem riesigen Rasen. Es hat gefühlt dreihundert Grad und nicht nur meine Hand, sondern auch Billies Kleid und Unterwäsche stinken nach Urin. 

   »Fertig«, verkündet das Kind endlich und ich atme erleichtert auf. Was ein Fehler ist, weil mir im nächsten Moment natürlich der Geruch all der Ausscheidungen meiner Tochter in die Nase dringt. Ich unterdrücke ein Würgen, entferne mich mit Billie von der Bescherung und trage sie bis zum Wagen. Dort stelle ich sie ab, greife auf den leeren Sitz neben ihrem Kindersitz und hole die riesige Wickeltasche hervor, die ich seit dreieinhalb Jahren mit mir rumschleppe. »Alles kein Problem, das haben wir gleich«, rede ich beruhigend auf sie ein, wobei ich wohl eher mich beruhigen will. Rasch wische ich meine Hand ab und setze die Prozedur anschließend bei meiner Tochter fort. 

Heilfroh ziehe ich ihr das frische Shirt über, nachdem ich das nasse Kleid und die Unterhose in eine Plastiktüte gestopft habe, die ich für diese Anlässe immer in der Wickeltasche habe und setze sie zurück in ihren Kindersitz. Fertig angeschnallt, laufe ich um den Wagen herum und setze mich mit einem Seufzen wieder ans Steuer. 

   »Mommy?« 

   Langsam drehe ich mich um. »Ja?« 

   »Ich habe Hunger.« 

   »Ich weiß. Wir sind gleich da, okay? Dann bestellen wir uns eine riesige Pizza, ich verspreche es!« 

   »Pizzaaaaa«, ruft Billie sogleich aus. »Ich will Pizzaaaa!« 

   Schmunzelnd nicke ich, setze den Blinker und steuere den Wagen auf die Fahrbahn. Die gesamte Zeit über ist uns kein einziger Wagen entgegengekommen, was mein Gefühl verstärkt, hier richtig zu sein. Ich wollte nach dem Desaster mit meinem Ex, Billies Dad, nur noch raus aus der Großstadt. Mir war es dort schon immer zu laut und ... einfach zu viel. Aber Adam hat darauf bestanden, dass ich zu ihm ziehe, und ich habe, jung und dumm, wie ich zu der Zeit eben noch war, nachgegeben. Damals war es für mich keine große Sache. Jetzt weiß ich, dass es das doch war. Es war eine riesige Sache und ein großer Fehler. Kaum war Billie nämlich da, hat es zwischen uns gekriselt. Wir haben nur so lange durchgehalten, weil ich unserer Tochter nicht den Vater nehmen wollte. Dass das völliger Unsinn war, hätte ich mir damals schon denken können. Adam hat sich nie wirklich um Billie gekümmert. Er war nicht mal bei der Geburt dabei, weil er lieber mit seinen Kollegen aus dem Großraumbüro, in dem er gearbeitet hat, in einer Bar gesessen hat. Schon da hätte mir klar sein müssen, dass das mit uns niemals eine Zukunft gehabt hat. 

   »Siehst du das, Mäuschen?«, versetze ich mich selbst zurück in die Gegenwart und zeige mit dem Finger auf ein Schild am Straßenrand. »Da steht der Name unseres neuen Zuhauses drauf! Das bedeutet, wir sind gleich da!« 

   Billie jubelt und ich grinse. Der erste Tag vom Rest unseres neuen Lebens hat heute begonnen und ich habe vor, jeden Moment zu genießen!

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Als alleinerziehender Vater einer kleinen Tochter ist Struktur für Ethan das A und O. Regeln und Routinen bestimmen seinen Alltag und wenn es nach ihm geht, soll sich daran möglichst auch nie etwas ändern.


Doch dann platzt Izzy in sein Leben. Die quirlige, chaotische Izzy, in deren Leben nichts, aber auch gar nichts so läuft, wie es sollte. 


Obwohl Ethan sich bemüht, schafft er es nicht, sich gegen die Anziehungskraft zu wehren, die die verrückte Frau mit den blauen Haaren auf ihn ausübt. 


Aber haben zwei so gegensätzliche Menschen überhaupt eine Zukunft?